Kiwi-Autobahn
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Kiwi - Autobahn
     
 

 

Meine Wohnung in Hannover-Linden liegt in der 2. Etage in einem schönen über 100 Jahre alten Haus aus roten Backsteinen.
1979/1980 wurde dieser denkmalgeschützte Bau von Grund auf renoviert und bekam in diesem Zuge auch Balkons angebaut, welche nach hinten zur Gartenfront liegen. Ja, einen schönen sehr ruhig gelegenen Garten mit einer sich daran anschließenden begrünten Tiefgarage machen mir das Leben inmitten der Stadt sehr angenehm.

   
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Hausgarten
 
  Eines Tages kam ich auf die Idee, doch ein Pärchen Kiwi-Pflanzen zu erwerben und diese zur Begrünung des ein wenig hässlichen Balkongestells anzupflanzen. Gedacht - getan und was soll ich sagen, es dauerte nur ein paar Jahre und der Kiwi war bis zur 4. Etage empor gerankt. Was aber das schönste an dieser Pflanze war, jedes Frühjahr blüht sie nun in herrlich duftenden, cremefarbenen Blüten, die alle kopfüber in Rispen auf die bestäubenden Hummeln und Bienen warten. Diese tun dies denn auch fleißig und so können wir und meine anderen Mitbewohner in jedem Herbst Kiwis aus eigener Zucht genießen.
Dies zur Vorgeschichte.

   
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Kiwiblüten
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Sind die nicht schön
 
   
Eines schönen Tages vor ein paar Jahren kam ich nach Hause und mein Mann empfing mich mit den Worten: 'Sag mal, was hast du mit der Margerite auf dem Balkon gemacht?' Ich war mir keiner Schuld bewusst und besah mir die Sache. Merkwürdig, von der schon recht großen und mit vielen Blüten besetzten Pflanze war ein dicker Zweig abgebrochen und hinter einem Blumentopf auf dem Regalbrett befand sich ein komisch aussehender dicker Haufen aus Zweigen und Blättern und auch eben Teilen meiner Margerite. Als ich mir dieses Gebilde dann genauer besah, stellte ich fest, dass es sich um ein Nest oder besser einen Kobel eines Eichhörnchens handelte. Ich ließ meine Finger davon und beobachtete nun den weiteren Werdegang. Es dauerte auch nicht lange - ich saß mit meiner Tageszeitung ganz ruhig auf dem Balkon - da kam ein entzückendes rotes Eichhörnchen angeflitzt. Es hatte die Kiwi-Autobahn benutzt, turnte über das Balkongeländer und verschwand mit Polstermaterial in seinem Kobel.

 

 

 
 
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Guten Morgen
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Darf ich eintreten?
 
   
  Völlig angstfrei - nur mich kurz beobachtend - ob ich denn wohl Anstalten machen würde, es zu vertreiben. Als es dann wohl die Feststellung getroffen hatte, ach von der Person habe ich keine Störung zu erwarten, verwob es die mitgebrachten Federn und Fäden als weiche Unterlage    

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Leckere Nüsslein

 
 
Dann lief es den gleichen Weg wieder zurück um diese Touren noch des Öfteren zu wiederholen. In der nächsten Zeit hatte ich dann 'Lady Maxime' (so hatte ich sie getauft) nur sehr selten zu Gesicht bekommen. Aber die Wal- oder Haselnüsse, die ich für sie hinlegte, waren stets verschwunden und es konnte ja nur ein Eichhörnchen sie öffnen. Die zurückgelassenen leeren Schalen zeugten davon.
   
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Sonnenblumenkerne
   
Dann eines Tages, ich saß wieder mal auf dem Balkon, kam sie angeflitzt und setzte sich mir gegenüber auf den Tisch und sah ich neugierig an. Ich sprach ganz ruhig mit leiser Stimme zu ihr. Dies schien ihr zu gefallen, denn sie lief nicht weg.
Dann mit einem großen Sprung auf das Balkongitter und schnell in ihren Kobel. Ich hörte jedoch keinen einzigen Laut daraus. Da ich ja nicht hineinsehen konnte wie bei einem Vogelnest, war mir auch nicht klar, ob und vor allem wie viele Junge sie wohl darin hatte. Bis eines Tages - so ca. 3 Wochen später - mal mein Schwiegersohn zu Besuch war und er, der eine sehr laute und tiefe Stimme hat, mir seine Neuigkeiten erzählte. Plötzlich kam Lady Maxime von unten hoch gesaust und verschwand im Kobel, kam mit einem kleinen niedlichen, ebenfalls roten Jungen im Mäulchen und transportierte dieses über das Balkongitter zum Kiwi und verschwand mit ihm in Richtung Garten. Es dauerte eine ganze Zeit, dann wurde diese Prozedur noch zwei mal wiederholt. Also hatte sie drei Junge geworfen.
In der Folgezeit kam sie nur - ab und zu auch mal mit Sir Max, einem etwas dunkleren Eichkater - um sich die Nüsslein abzuholen. Darauf wollten sie also nicht verzichten, denn so leicht sich eine Mahlzeit zu besorgen, fanden sie wohl sehr angenehm und praktisch.
Wobei ich sie jedoch auch dabei erwischte, dass sie meinen 'kleinen Freunden' - das sind die Spatzen, Kohl- und Blaumeisen, Grünfinken und all die anderen Fiederlinge - die ausgepellten Sonnenblumenkerne aus den Spendern klauten.

   
 
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Nicht alles
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für die
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Piepmätze
 
  So hatte ich immer mal wieder Freude an ihrem Anblick, denn so ein Eichhörnchen in seiner Possierlichkeit ist wirklich eine Herzerfrischung.
Da die beiden Alten festgestellt hatten, dass es bei mir immer was zu holen gab, sie machen ja auch keinen Winterschlaf und so kamen sie auch, selbst wenn Schnee lag und holten sich ihre Rationen ab.

   
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Auch im Winter schmeck es
   
  Eines Tages, ich hatte mich mal aufs Bett gelegt um ein wenig auszuruhen, die Balkontür stand offen, ebenso mein Tür zum Schlafzimmer. Plötzlich saß etwas auf meiner Brust und fasste mir an die Nase. Als ich halb im Schlaf, die Augen öffnete, saß da 'Lady Maxime' und sah mich mit ihren schwarzen Knopfaugen an. Dann sauste sie davon. Als ich dieses meinem Mann mitteilte, meinte dieser ich hätte wohl geträumt.'Nein, nein, das habe ich in echt gesehen!' So recht glauben wollte er mir nicht bis, er dann die kleinen Abdrücke von den Pfötchen auf seinem Bettlaken sah.
Oftmals kamen jetzt mal sie mal er zu Besuch und wenn dann nichts dalag, kamen sie in die Wohnung um nach zu sehen, wo denn wohl die ihnen zustehenden Nussportionen blieben. Ich weiß nicht wer von beiden zuerst mitbekam, wo denn diese netten Nüsslein versteckt lagen, dann hatte es aber gefunkt und… jetzt konnten sie sich selbst bedienen.
Auf dem Sideboard im Esszimmer steht eine bunte Spanholzschachtel, darin befinden sich die eichhörnischen Köstlichkeiten. Mit einem Satz springen sie hoch und hebeln mit den unteren Zähnen die Schachtel auf und schon ist das Schlaraffenland eröffnet. Und wenn denn er Durst ebenfalls auch noch gestillt werden muss, dann gibt es entweder aus den Blumengießkannen oder aus der Vogeltränke auch noch den benötigten 'Fauna-Wein'.

   
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Spanschachtel
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geöffnet
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Im Esszimmer speisen
 
  Inzwischen haben meine beiden niedlichen Flitzer die gesamte Wohnung durchforstet. Waren im Büro ebenso wie in der Küche oder dem Wohnzimmer. Im Wohnzimmer wurde auch die große Yukkapalme erklettert und mit dem Blättern geraschelt, dass ich mich erstaunt umsah, wer denn da wohl mit herum wedelte.
Gerade vor kurzem war Lady Maxime wieder mal durch den Spalt der geöffneten Balkontür ins Esszimmer gekommen und hatte sich wie selbstverständlich bedient und dann nach einer ausgiebigen Erkundungstour durch die Wohnung auf die Heizung gehopst um aus der Blumengießkanne (mit Orchideendünger versehen) den Durst zu stillen. Dann blieb es auf der schön warmen Heizung sitzen und fing an Fellpflege zu betreiben. Über die Öhrchen, dann den cremefarbenen Bauch durchgekrault. Rechts und links verdreht den Rücken und ganz zum Schluss musste der Stolz eines jeden Eichhörnchens, der Püschelschwanz, durchtoupiert werden. Ich saß die ganze Zeit an meinem 'Lieschen' (mein Laptop) und sah ihm dabei zu.
Möglich ist diese Übernahme meiner Wohnung durch Lady und Sir jedoch wohl nur, weil hier im 'Von Alten Garten' ein schöner alter Baumbestand mit entsprechenden Höhlen zu finden sind. Da Eichhörnchen sich ja immer mehrere Kobel und Nisthöhlen bauen und suchen, habe ich die zwar nicht einmalige Chance bekommen, mit diesen Flumis Freundschaft schließen zu können.

   
 
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Sag mal
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was macht
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die denn da
 
Ach, eines muss ich ergänzend noch mitteilen. Als es seinen Kobel auf meinem Balkon gebaut hatte, hatte die Mitbewohnerin über uns ein recht merkwürdiges Erlebnis. Sie hatte auf ihrem Balkon einen Wäscheständer stehen und trocknete darauf u.a. eine Strickjacke besetzt mit lustigen bunten Wollblüten. Diese waren, als sie die Jacke abnehmen wollte alle abgeschnitten - jedenfalls waren alle weg - die Frau bezichtigte ihre Tochter, sie mit einer Schere abgeschnitten zu haben. Diese beteuerte jedoch das Gegenteil und fing schließlich an zu heulen, 'Nein, Mama nein, das war ich nicht!' Ehrlich sie war es ja auch wirklich nicht, aber diese Aussage konnte erst dann bewiesen werden, als wir den alten Kobel entfernten, darin fand ich dann nicht nur meinen Margeritenzweig, sondern eben auch die Wollrosen, fein als Tapete und Polstermaterial eingewoben. So konnte dann endlich auch diese Angelegenheit geklärt werden und dem kleinen Mädchen geglaubt werden.
So zutraulich und doch vollkommen aus freien Stücken, ein frei lebendes kleines Viecherl neben sich zu haben ist schon ein Erlebnis, was ich auch euch nicht vorenthalten wollte. An den beigefügten Bildern könnt ihr sehen, dass sich alles so verhält und zugetragen hat.
Und so ist eben die Anpflanzung der Kiwis zur Autobahn für Eichhörnchen geworden.


Hanna aus Linden, 18.01.05

   
 
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Hier schmeckt es am besten
   
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